“Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.”
Lukas 14,27
Eine kurze Geschichte des Kreuzes im Christentum
Das Kreuz erinnert an den Tod Jesu von Nazareth. Nach der Überlieferung des Neuen Testamentes und außerbiblischer Quellen wurde er an einem Kreuz als Verbrecher hingerichtet. Das Kreuz war eine besonders grausame und würdelose Hinrichtungsart. Der Tod wurde über Stunden und Tage hinausgezögert.
Darum musste auf die Menschen der Antike jede positiv besetzte Rede vom Kreuz als Provokation und Skandal wirken.
Der Apostel Paulus machte das Kreuz zum zentralen Thema seiner Theologie.
“Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist´s eine Gotteskraft.” (1. Korintherbrief 1,18ff.)
Für Christen wurde das Kreuz zum Symbol der Hoffnung auf die Erlösung von Leid und Tod. Christen glauben, dass in Selbsthingabe und Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi die gestörte Beziehung zwischen Gott und Menschen wieder hergestellt worden ist.
Obwohl schon früh Christen mit dem Zeichen des Kreuzes segneten, erscheint seine bildliche Darstellung erst spät, etwa ab dem 3. Jahrhundert. Zuvor waren andere Symbole wie der Fisch, der Gute Hirte oder das Christus-Monogramm (XP) in den christlichen Gemeinden üblich. Das Kreuz wurde möglicherweise wegen seiner skandalösen Bedeutung, aus Angst vor Verspottung oder sogar Verfolgung vermieden.
Erst mit dem Ende der Verfolgungen von Christen durch den römischen Staat wurde das Kreuzzeichen öffentlich verwendet.
Durch das Toleranzedikt des Kaisers Galerius im Jahr 311 n. Chr. wurde das Christentum zur staatlich geduldeten Religion ernannt und den Christen die Ausübung ihres Glaubens zugesichert.
Die “Mailänder Vereinbarung” im Jahr 313 zwischen dem Kaisern Konstantin I. und Licinius bestätigte dieses Edikt erneut.
Unter Kaiser Theodosius erhielt das Christentum im Jahr 380 n. Chr. schließlich den Rang der offiziellen Staatsreligion des Römischen Reiches.
Das Kreuz wurde zu einem offiziellen Symbol.
Noch heute feiern Christen am 14. September das Fest der „Kreuzerhöhung“ – Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin I. soll im ersten Viertel des 4. Jahrhunderts als hochbetagte Frau die Stätten des Christentums im Heiligen Land besucht und auf dem ehemaligen Hinrichtungsplatz Golgotha die Reste des Kreuzes Christi gefunden haben.
Die Reste des Kreuzes wurden weltweit als Reliquien verehrt.
Dieser Fund förderte die Bedeutung des Kreuzes als Symbol des Christentums.
Im Laufe der Geschichte wurde das anstößige Zeichen des Kreuzes zum Symbol des Bekenntnisses und des Segens. Bei der Taufe wird der Mensch mit dem Zeichen des Kreuzes gesegnet. Gläubige Menschen bekreuzigen sich indem sie das Kreuz nachzeichnen und segnen sich so im Namen Gottes.
Das Symbol des Kreuzes wurde auch für politische Interessen, etwa in den Kreuzzügen, missbraucht und zutiefst missverstanden. Die Kirche trägt für das Leiden der Menschen, die unter dem Zeichen des Kreuzes leiden und sterben mussten, mit die Verantwortung.
Das Kreuz Christi macht eigene Leidenserfahrungen bewusst. Es verbindet mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und durchleiden. Und es verbindet mit dem Gott, der das Leid selbst erfahren hat.
Es verbindet Horizontale und Vertikale und bezeichnet so die Beziehung des Menschen zu Gott (senkrechte Achse) und zu seinen Mitmenschen (waagerechte Achse) .
Das Kreuz wird so zu einem Symbol der Verbindung von Gott und Menschen.