Die Gezeitenkreuz-Werkstatt

Lebensnah – nah am Menschen

Im Studio 38, der Kieler Werkstatt des Bootsbauermeisters und Designers Georg Wawerla entstehen die Gezeitenkreuze.

Impressionen aus der Werkstatt

Wer sich im Showroom und in der angrenzenden Werkstatt des Studio 38 umschaut, die Entwürfe von Inneneinrichtungen und Möbeln auf den Skizzen an der Wand betrachtet, erkennt die gestalterische Handschrift von Georg Wawerla. Von der edlen Inneneinrichtung einer Segelyacht bis zum Gezeitenkreuz – eine klare und einladende Formensprache.

In den Regalen an den Wänden sind Design-Klassiker aufgestellt, Stühle von Ray und Charles Eames und Werner Panton und eigene Entwürfe. Zeitlos schöne Formen, auf den Punkt gebracht, der Funktion und damit den Bedürfnissen von Menschen verpflichtet.
Am Board hängen Skizzen für neue Projekte neben den Fotos der Kinder. In der Werkstattküche steht ein Nutella-Glas im XXL-Format.
„Design muss lebensnah sein“, sagt der Vater von zwei Kindern.

Georg Wawerla steht in Jeans und T-Shirt in seiner Werkstatt an der Werkbank. Er strahlt die Ruhe des Handwerkers aus, bei dem jeder Handgriff sitzt. Seine wettergebräunten Hände fassen das Material mit souveräner Sicherheit.
Für den Designer und Bootsbaumeister sind Boote aus Holz ein ästhetisches Erlebnis. Sie atmen den Geist der Zeiten, in denen Menschen auf den Weltmeeren segelten und Wind und Wetter ausgesetzt waren. Und sie sind technisch auf der Höhe der Zeit. Eine Herausforderung für jeden Designer.
Bei jedem Bootsbau gibt es einen Überschuss an Holz. Edle Hölzer, Zebrano, Eiche oder Ulme, die für Planken, Wandverschalung und die Inneneinrichtung von Booten verwendet werden.
Warum wegwerfen, fragte sich Wawerla, legte das Holz beiseite und entwickelte die Form der Gezeitenkreuze. Eine Form, die gut in der Hand liegt und ihre Wärme aufnimmt. „Ein Symbol, das Raum lässt für eigene Gefühle und Gedanken“.

Die Gezeitenkreuze wecken Assoziationen an die christliche Seefahrt und an die Geschichten der Bibel, in denen Menschen auf See den Gezeiten ausgeliefert waren und ihr Vertrauen nicht über Bord geworfen haben.
Jedes Stück Holz, das durch seine Hand geht, schaut sich Georg Wawerla genau an, prüft Maserung und Dicke und zeichnet dann mit einer Schablone die Umrisse der Form des Kreuzes auf das Brett. Vier Punkte markieren die Stellen, an denen er das Werkzeug ansetzt und das überschüssige Holz wegfräst. Die typische Form des Gezeitenkreuzes entsteht.
Gut eine Stunde braucht es, um aus einem soliden Stück Holz ein Gezeitenkreuz zu fertigen. „Jedes Gezeitenkreuz ist ein Original und entsteht in Handarbeit.“
Die Färbung und Maserung edler Hölzer wie Abachi und Eiche, Wenge und Zebrano, geben jedem Gezeitenkreuz seinen eigenen unverwechselbaren Charakter.

Für den Designer und Christen Georg Wawerla ist das Kreuz die ideale Form: „Das Kreuz bringt uns zurück zu dem, worauf es ankommt im Leben“.